lebensmittelwissen.de

Autor: , verfasst am Donnerstag, 28. Juli 2011

Da unser Minigarten keine Obstbestände aufzuweisen hat, müssen wir uns andernorts behelfen. Kirschen, Mirabellen, Pflaumen, Äpfel und Birnen finden sich in der Umgebung zuhauf und werden größtenteils von niemandem geerntet. Zwar sollte man aufpassen und sich nicht in eine Obstbaumplantage der hiesigen Bauern verirren, aber an Bahndämmen oder Wegrändern etc. ist man auf der sicheren Seite. Und bei ungeklärten Besitzverhältnissen muss man eben riskieren oder verzichten. Denn, auch wenn keiner die Bäume und Sträucher aberntet, genügend Energie zur Beschwerde haben die meisten Menschen allemal. Aber bisher hatten wir Glück und im vergangenen Jahr konnten wir noch im Dezember ein paar (gefrorene) Frühstücks-Äpfel von unserem Lieblingsapfelbaum sammeln.

Ein sinnvolles Projekt in diesem Zusammenhang ist – vor allem für interessierte Stadtbewohner – www.mundraub.org. Hier auf dem Land finden sich ohnehin genügend Möglichkeiten an frei verfügbares Obst zu kommen. Zudem gibt es nette Nachbarn, die gar nicht alles verwenden können, was so auf ihren Bäumen wächst. Wie z.B.

Sauerkirschen

SauerkirschkompottDiese haben wir aufgrund der Menge zunächst nur entsteint und eingefroren. Einige haben wir dann mit Zucker zu Kompott eingekocht – ohne experimentelle Zusätze. Anschließend wurden sie nach Rezept bei 75° Grad für 25 Minuten sterilisiert. Falls irgendjemand im großen weiten Netz eine Ahnung hat: wie kommt man je nach Inhalt auf die angegebenen Temperaturen und die Länge des Sterilisierens? Gibt es hierzu Richtwerte, die man beachten müsste und wie wirkt sich das auf die Haltbarkeit aus? Vielen Dank im Voraus…

Mirabellen

Mirabellenmarmelade mit AperolDiese Unterart der Pflaume ist bei uns in verschiedenen Sorten vertreten. Zum Sofortverzehr schmecken die leicht säuerlichen und sehr saftigen Früchte am besten. Für Marmelade sind die reifen (fast schon mehligen) Mirabellen sehr gut geeignet. Bisher haben wir einiges davon eingefroren, eine Marmelade mit Aperol und ein Mirabellen-Chutney hergestellt. Hier unser Chutney-Experiment:

Zutaten:

Mirabellenchutney

Die Mengenangaben sind sehr davon abhängig, wie süß/sauer, fest/flüssig man das Chutney mag, beziehungsweise wie süß die Früchte sind. Wir haben ungefähr 200-250 Gramm Zucker und 200 Milliliter Essig auf 900 Gramm Mirabellen gebraucht. Aber das sollte man ganz nach eigenen Bedürfnissen abschmecken.

Ansonsten einfach ein bis zwei Zwiebeln und Knoblauch andünsten, entsteinte Mirabellen, Zucker und Essig dazu und aufkochen lassen. Salz, Pfeffer, Schärfe, Kräuter nach Lust und Laune. Wer es etwas geschmeidiger mag, der kann das Ganze einmal kurz „anpürieren“. Da es uns ein wenig zu flüssig war, haben wir Stärkemehl separat in Wasser angerührt und dazugegeben. Heiß in gut ausgespülte Gläser geben, Deckel druff und abkühlen lassen. Das Chutney soll sich so mindestens ein halbes Jahr halten, manche berichten von weitaus längeren Zeiträumen.

Außerdem landeten die Mirabellen noch in unserem Rumtopf und auf einem veganen Mürbeteig-Kuchen:

Zutaten

  • 250 g Mehl
  • 1 Tl Backpulver
  • 100 g Zucker
  • ein guter Schuss Sojamilch (anstatt 2 Eier)
  • eine Packung Vanillezucker
  • ca. 100 ml Pflanzenöl (anstatt 125 g Butter – grob rechnet man 100 g Butter entsprechen 80 ml Öl)
  • evtl. ein Schluck Rum

veganer Mirabellenkuchen
Zucker, Sojamilch (ggf. selbstgemacht) und Öl verrühren, dann nach und nach Mehl mit Backpulver dazu, nach Bedarf noch etwas Sojamilch. Der Teig hat eine recht krümelige Konsistenz, sollte aber zu einer Kugel formbar sein. Die kommt vor dem Belegen noch eine halbe Stunde in den Kühlschrank. Teig in einer Springform ausbreiten, mit Früchten bedecken und ab in den Ofen bei etwa 175 Grad. Veganer Teig dauert meist etwas länger, in etwa einer Stunde sollte der Kuchen fertig sein.

Noch ein Tipp: Mürbeteig eignet sich prima zur Vorratshaltung. Die einzelnen „Teigknödel“ lassen sich problemlos einfrieren. Also einfach die vierfache Menge zubereiten und die nächsten drei Mal faul sein!



verfasst von Steffen am 28. Juli 2011 um 18:03



6 Kommentare zu “Frei verfügbares Obst – Sauerkirschen, Mirabellen (Kompott, Chutney, Kuchen)”

  1. Steffen sagt:

    Nachtrag: Da wir in den Wei(shei)ten des Internets die Warnung entdeckt hatten, dass Stärkemehl die Haltbarkeit reduzieren würde, sind wir auf Johannisbrotkernmehl zum Andicken gewechselt. Damit soll es keine Probleme geben. Allerdings zeigt auch das Chutney mit Stärkemehl noch keinen Schimmelbefall (was es nach nur einer Woche laut Internetmeinung tun sollte). Vielleicht kennt sich ja ein Profi damit aus, der was mit Lebensmitteln studiert hat 🙂

  2. Carina sagt:

    Hallo Steffen,
    ich habe sehr großes Interesse an Deiner Mirabellenmarmelade mit Aperol. Könntest Du mir das Rezept verraten? Morgen soll es losgehen. Der Baum hängt nämlich voll…
    LG Carina

  3. Steffen sagt:

    Hallo Carina,
    da wir uns ja nicht mit fremden Federn schmücken wollen. Hier steht das Grundrezept: LINK – in den Kommentaren mit Aperol abgewandelt. Den Gelierzucker würde ich nach eigenen Vorlieben bzw. der Eigensüße der Mirabellen wählen, wir hatten einen 2:1 Gelierzucker zu Hause, aber wenn die Mirabellen ohnehin sehr süß sind, kann man auch den 3:1 Zucker nehmen.
    In unserem Fall also: 1000g entsteinte Mirabellen, 1 TL Zitronensäure (oder alternativ Zitronensaft), ca. 500g 2:1 Gelierzucker aufkochen und 4 Minuten kochen lassen, am Ende ca. 70-80ml Aperol zugeben und heiß in die Gläser füllen.
    Dann wünsch ich mal viel Spaß und klebrige Finger 🙂 Und natürlich gutes Gelingen!

  4. Carina sagt:

    Super, Steffen. Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort. Da bin ich ja mal gespannt auf die klebrige Aktion morgen und das Endergebnis 😉

  5. Carina sagt:

    mmmmhhh… sehr lecker! Test bestanden… und klebrig war’s auch 😉 Nochmals vielen Dank!

  6. Holger sagt:

    Hallo Steffen,

    das Mirabellenchutney klingt sehr gut, daran muss ich mich mal versuchen! Ich habe nämlich das Glück, dass meine Eltern zwei große Pflaumenbäume im Garten haben und ich da immer mindestens 2-3 Eimer „abstauben“ kann. 😉

    Meine generelle Erfahrung mit Chutney sagt mir aber im Übrigen auch, dass es wesentlich länger haltbar sein kann (habe letztes Jahr Zwiebel-Feigen-Chutney gemacht, davor schon Mango-, Paprika- u.Ä.).

    Man muss nur den Marmeladentrick anwenden und die heiß ausgespülen und dann mit dem Chutney befüllten und gut verschlossenen Gläser noch auf den Kopf stellen (für etwa 10 Min.), so dass ein Vakuum entsteht – dann kann man sie ungeöffnet bestimmt ein Jahr (wenn nicht zwei) stehen lassen.

    Gerade Balsamico trägt ja auch unheimlich zur Konservierung bei, er ist ja quasi ewig haltbar, wie ich las ( http://balsamico.org/balsamico_haltbarkeit.html ).

    Beste Grüße
    Holger

Kommentar abgeben