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Autor: , verfasst am Sonntag, 17. April 2011

Zum aufrichtigen Versuch eines Selbstversorgerdaseins gehört auch ein bewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen.1 Ein, im Hinblick auf das Kochen und Konservieren unserer Lebensmittel, bisher ungenutztes Potential besitzt dabei die Sonne. Und – welch Zufall! – im Ökobuch-Verlag sind zu diesem Thema zwei kluge Bücher erschienen, die wir kürzlich gelesen haben:

Beide Veröffentlichungen bieten einen umfassenden Überblick über die Einsatzmöglichkeiten der jeweiligen Apparate und Methoden – von den Dörrhäusern der Vergangenheit und den Anfängen des solaren Kochens bis zu aktuellen Beispielen solarer Küchen in Europa und Projekten für Trockner oder Kocher in Entwicklungsländern. Man erfährt alles über die Philosophie, die hinter der Nutzung der Sonnenenergie im kleinen Rahmen steckt und abschließend über die Bezugsquellen für Geräte und Materialien. Den Hauptteil beider Bücher bilden die unterschiedlichen Gerätemodelle, spezielle Tricks und Verfahren sowie diverse Rezepte:

„Trocknen & Dörren mit der Sonne – Bau und Betrieb von Solartrocknern“

Nach den einleitenden Worten der Herausgeberin folgen zunächst die wichtigsten Tipps in Bezug auf Vorbereitung, Befüllen der Trockner und Lagern der Produkte. Trocknen und Dörren (=Trocknen über 50°C) kann man dabei fast alle Lebensmittel: ob Obst oder Gemüse, Pilze und Kräuter, Fisch oder Fleisch. Zu den allgemeinen Vorteilen der Trocknung (Erhalt der Nährstoffe, Intensivierung des Geschmacks, lange und platzsparende Lagerung der Produkte) gesellt sich bei der Nutzung der Sonne vor allem die Umweltfreundlichkeit der Methode. Kurze Rezepte zeigen die vielfältigen Möglichkeiten: neben dem bekannten Trockenobst oder unseren Favoriten – sonnengetrockneten Tomaten – klingt auch die Herstellung eigener Gemüsechips oder Suppengemüsemischungen sehr verlockend.

Anschließend wird es für die Heimwerker spannend: der Beitrag von Michael Götz beschreibt in allen Einzelheiten den Bau eines ULOG Solartrockners (ULOG steht für die Projekte von Ulrich Oehler und Lisel Grimm, Pioniere auf dem Gebiet der Solartechnik). Die notwendigen Teile und der Zusammenbau sind mit zahlreichen Bildern und Zeichnungen verständlich dargestellt.2

Zwei Varianten für „Solare Tunneltrockner“ werden danach ebenso detailliert präsentiert wie ein „Combitrockner“, der einen Solartrockner mit einem Holzofen verbindet, um die Nutzbarkeit auch an trüberen Herbsttagen zu garantieren. Einen Einblick in die Praxis bietet zusätzlich ein Porträt eines Selbstversorgers, das etwas neidisch macht (800 Obstbäume!).

Im zweiten Buch

„Kochen mit der Sonne – Solar kochen und backen in Mitteleuropa“

steht die Nutzung der Sonneneinstrahlung für Kocher, bzw. Öfen im Mittelpunkt. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Varianten (die natürlich modifiziert und kombiniert werden): Solarofen und Parabolspiegelkocher. Letzterer besteht aus einer Spiegelanordnung, die Sonnenstrahlen bündelt und einen Brennpunkt oder eine Brennlinie stark erwärmt. Damit können hohe Temperaturen erzielt werden (so ist z.B. Frittieren möglich), allerdings ist er aufgrund seiner Größe und seines Aufbaus etwas unpraktischer als ein Solarofen.

Zu diesem findet sich auch hier eine ausführliche Bauanleitung für ein ULOG-Modell (das es schon in die Sendung mit der Maus geschafft hat!). In variablen Größen kann man diesen Ofen unter solarfood.de erwerben. Daten und Fakten (Größe, Gewicht, Maximaltemperatur, etc.) zu vielen anderen erhältlichen Modellen geben zudem einen vollständigen Überblick über die jeweiligen Stärken und Schwächen der Geräte.

Denn natürlich gibt es zum Beispiel in der Verwendung des Solarofens Einschränkungen – aufgrund der langsamen Garmethode kann man schlecht Nudeln kochen oder Speisen anbraten. Dafür garantiert die schonende Zubereitung einen größtmöglichen Erhalt der Nährstoffe und des ursprünglichen Geschmacks. Und so zeigen im Anschluss zahlreiche Rezepte und Expertentipps das Potential der Geräte. Ob Suppen, Aufläufe, Brot oder Kuchen – mit etwas Fantasie und Zeit ist fast nichts unmöglich. Zudem lassen sich damit perfekt Lebensmittel in Gläsern einmachen.

Fazit

Beide Bücher sind mit vielen Farbfotos und detaillierten Zeichnungen aufwendig gestaltet und bieten neben einem perfekten Einstieg in die Materie mit den Bauanleitungen und Rezepten alles Notwendige, um künftig mit geringem finanziellen Aufwand, viel Spaß und einem guten Gewissen an der frischen Luft zu kochen.

Und während dann die vegetarische Lasagne mit den selbst getrockneten Tomaten in der Sonne gart (laut den Autoren gibt es in unseren Breitengraden dafür 100-150 brauchbare Tage!), hat man endlich genügend Zeit etwas zu lesen – oder zu schreiben, oder am Besten energiesparend gar nichts zu tun.

1 Schreibt der über jeden moralischen Selbstzweifel erhabene Verfasser und tritt angestrengt in die Fußpedale, um Strom fürs Netbook zu generieren…
2 Der Nachbau klingt so machbar, dass er eines meiner Vorhaben für den Sommer ist…Berichterstattung folgt!

„Kochen mit der Sonne – Solar kochen und backen in Mitteleuropa“
€ 13,95/ 87 Seiten
Ökobuch-Verlag
ISBN-10: 3936896399

„Trocknen & Dörren mit der Sonne – Bau und Betrieb von Solartrocknern“
€ 13,95/ 95 Seiten
Ökobuch-Verlag
ISBN-10: 9783936896480



verfasst von Steffen am 17. April 2011 um 11:24



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