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Autor: , verfasst am Samstag, 3. Dezember 2011

In Zeiten gärtnerischer und lebensmittelverarbeitender Untätigkeit kann man sich ja durchaus mal mit aktuellen Kulturdarbietungen beschäftigen. So geschehen am letzten Samstag in der Nürnberger Meistersingerhalle, wo Rainald Grebe auf seiner Herbsttour 2011 Halt machte. Damit der lustige Spielmann auch in unserem Blog Erwähnung findet, beschäftigt er sich gemeinsam mit seiner Kapelle der Versöhnung auf der neuen CD „Zurück zur Natur“ ausführlich mit dem Landleben, also dem Leben auf dem Land. Und da befinden wir uns ja.

Außer eben am Samstag, da ging es für den Artikelverfasser in die Großstadt, um dem unterhaltsamen Zusammenklang von U- und E-Musik (Heizölpunk meets Vivaldi), Kabarett, Nonsense und Fips-Asmussen-Witzen, von Hoch-, Tief- und Was-weiß-ich-Kultur zu lauschen, den sich der Herr Grebe zusammenspinnt. Ob das Ganze nun Lobeshymnen Wert ist oder politisch regressiv und gar nicht so toll, darüber mögen sich die Kommentatoren im Feuilleton gemeinsam mit ihren Co-Kommentatoren in arg fruchtbarer Debatte austauschen. Die wissen besser Bescheid. Letzten Endes ist auch deren Dialog Werbung und dafür ist das Internet da und der Kleinkünstler sicherlich dankbar.

Aber zurück zum Landleben. Zwar handeln Grebes Lieder von dessen Verklärung im grün-schwarzen Kolorit vor allem von der neureich flüchtenden, sinnsuchenden Stadtbevölkerung, aber so manche Szenen haben mich dann doch an mich erinnert (vielleicht spricht aus meiner Selbstversorger-Konzeption der ehemalige sehnsüchtige „Stadt“bewohner – wer im Metropolendorf Bayreuth studiert hat, kommt so schnell nicht davon weg):

Da geht es um jemanden, der selber Brot bäckt (haben wir), einen Lehmofen baut (erste Aktion, sobald der Bauernhof drumherum gefunden), eigenen Senf herstellt (soll noch kommen), nen Riesenbovist paniert (soll’s schon gegeben haben) oder sein Dinkelbier verköstigt (Bier brauen ist fest im Plan – irgendwann)… die eigene vegetarische Wurstproduktion wäre sicher für eine nette Strophe in Zukunft gut, aber der Raini wird hier wohl kaum mitlesen.

Beim Anhören solchen Liedguts, das neben Spott auch immer etwas melancholische Sehnsucht nach dem Verspotteten enthält, stellt sich die Frage, ob man selbst zwangsläufig zu einem der Verarschung würdigen Gutmenschen mutieren muss, sobald man seine Tätigkeiten und alternativen Einstellungen auch noch bloggend veröffentlicht.

Aber zumindest unser missionarischer Eifer hält sich in Grenzen. Eigentlich wollen wir mit der Selbstversorgung sowieso nicht die Welt verbessern, die Gesellschaft verändern, den Kapitalismus abschaffen oder Sinn stiften, sondern einfach unser Gewissen beruhigen. Außerdem sind wir zu faul zum richtig arbeiten (muss ja mal gesagt werden dürfen!). Und als Preis dafür sollte man die Konsumwelt schon einigermaßen ablehnen und die Landeinöde bevorzugen. Die Widersprüche werden einem spätestens dann klar, wenn man die selbstangebaute Rote-Beete-Suppe versehentlich übers Samsung-Netbook kippt und ein neues braucht.

Jetzt bin ich aber abgeschweift, außerdem muss ich noch schnell weg, Bio-Tofu beim Aldi holen.



verfasst von Steffen am 3. Dezember 2011 um 13:43



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