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Autor: , verfasst am Freitag, 10. Juni 2011

Frau Holle

Haben wir als Kinder nicht alle das Märchen „Frau Holle“ gemocht?
Hier nochmal die fast twitterfähige Kurzversion: Böse Stiefmutter – böse Stiefschwester – Mobbing – Brunnensprung – andere Welt – Prüfungen+Haushaltspflichten, u.a. Bettenschütteln – verantwortlich für Schneefall – Belohnung: Goldregen – Heimweh+Rückkehr – goldgeile Stiefschwester – gleicher Brunnenweg – Faulheit und Versagen – Pechregen. So weit, so gut.

Holunder

HolunderDoch was hat das nun mit dem Holunder zu tun? Eigentlich nichts, oder besser wenig. Etymologisch stammt beides irgendwie von der ursprünglich heidnischen Göttin Hulda (Holda, Holla) ab und deshalb dürfen abergläubische auch keinesfalls Holunderzweige schneiden ohne vorher die Erlaubnis der guten, alten Frau eingeholt zu haben.

HolunderblüteAber die Zweige sind kulinarisch sowieso uninteressant, ebenso die giftigen Blätter und Blütenstiele. Auch reife Beeren sollte man nicht roh verzehren, da sie Blausäureverbindungen enthalten, die sich erst beim Erhitzen zersetzen. Sehr viel gesünder sind, laut unserer schlauen Bücher (siehe Liste), die Blüten. Vor allem als Tee (2-3 TL getrocknete Blüten auf 150 ml heißes Wasser, 5-10 Minuten ziehen lassen) oder als Gurgelwasser bei fiebrigen Erkältungen.

Holunderblütenrezept

HolunderdoldeMan muss aber nicht zwingend krank sein, um Holunderblüten in der Küche zu nutzen. So kann man mit ihnen Essig, Limonade, Bowle, Brot, Kuchen, usw. wunderbar aromatisieren. Bekannt ist natürlich auch der Holunderblütensirup – die Rezepte variieren meist nur bei den Mengenangaben. Ansonsten Zucker, Wasser, Zitronensäure aufkochen und abkühlen. Anschließend die Blüten (ohne Stängel oder die Stängel sollen herausschauen) darin für 3-6 Tage ziehen lassen. Blüten abseihen und eventuell wiederverwenden (z.B. für Likör oder Essig), Flaschen befüllen.
Wir haben uns zunächst mal an einigen Holunderküchlein (oder „Hollersträubli“) probiert – laut überliefertem Rezept braucht man dazu:

  • 10-12 Holunderblüten
  • 200 g Mehl
  • 2 Eier
  • Salz
  • 2 EL Zucker
  • mindestens 8 EL Wein oder Sekt (alternativ: Bier)
  • Öl zum Ausbacken

Holunderküchle, Holunderküchlein, HollersträubliEier trennen und Eigelb mit Mehl, Wein (Sekt, Bier), Prise Salz vermischen. Zucker und Eiweiß zu Eischnee schlagen und unterheben. Teig eine halbe Stunde ruhen lassen. Die Blütendolden durch den Teig ziehen und ausbacken. Mit Puderzucker bestreuen. Sollte der Teig zu fest sein einfach mehr Flüssigkeit (es geht auch Milch) rein – 8 EL sind unserer Erfahrung nach zu wenig (oder unsere Löffel sind zu klein).

Holunderbeeren

Natürlich kann man auch die schwarzen Beeren lecker zubereiten, aber dazu gibt’s dann einen Artikel wenn Zeit und Beeren reif dazu sind. Diese Strategie steigert nämlich das Honorar (siehe oben – Stichwort: Goldregen). Aber schon ein Tipp im Voraus: wer beim Friseur Geld sparen will – in der Antike hat man Holunder auch zum Schwarzfärben der Haare verwendet.1

Leider war der Holunder heuer (wie so vieles) etwas schnell, beziehungsweise wir etwas langsam und faul (siehe oben –Stichwort: Stiefschwester), so dass viele Blüten schon ziemlich locker saßen und im Teig hängen geblieben sind – oder sich gleich nach dem Ernten in der Küche schneegleich verteilt haben…
Und das war dann doch wieder so ein wenig Frau Holle.

1Beweisfotos bitte an steffen(at)lebensmittelwissen.de

Bücherliste mit den wichtigsten Fakten zum Holunder:



verfasst von Steffen am 10. Juni 2011 um 07:56



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